Bei uns im oberen Fricktal hat es viele Rehe, die meistens haben Ihre Einstände (quasi der Wohnort) an Waldrändern. Je nachdem wie viel Bewegung sonst noch im Gebiet ist, treten die Rehe früher oder später aus und zeigen sich spielerisch.

Bitte beachten Sie, dass Rehe z.T. weniger Meter neben Waldstrassen liegen (schlafen). Wir empfehlen daher rund ums Jahr Leinenpflicht im Wald, denn alle Hunde jagen. Wenn Sie den Wald auch nutzen wollen, dann empfehlen wir auf den Wegen und Strassen zu bleiben. Die Rehe werden dadurch weniger gestört. Wir beobachten vielerorts sogar, dass die Rehe sich wenig bis gar nicht stören, wenn Menschen auf Strasse gehen. Allerdings braucht es nur einen Schritt in den Wald hinein, dann schreckt das Reh und rennt davon. Rehe „bellen“ oder fiepen, um andere Rehe zu warnen!

Die Rehe sind sogenannte „Bewegungsseher“ und achten sich somit nahezu nur auf Bewegungen. Wenn Sie also ganz still stehen, können Rehe uns nicht wirklich sehen. Andere Sinne sind dafür umso ausgeprägter.

Bei den Rehen ist von unserer Seite (den Menschen) viel Luft nach oben im Bereich Prävention. Gemäss dem Bundesamt für Statistik starben 2020 in der Schweiz: 7’640 Rehe durch Automobilisten, 1’218 durch Landmaschinen, 591 durch Bahnverkehr, 399 wurden durch Hunde gerissen. Daher empfehlen wir auf unserer Hauptseite, dass Sie langsam durch die Wälder fahren. Vor allem gegen Abend, der Nacht und am Morgen empfehlen wir 60 Km/h anstelle 80 Km/h. Hunde gehören im Wald an die Leine, auch wenn die Leinenpflicht begrenzt ist. Im Bereich Landmaschinen gibt es zum Glück bereits grössere Projekte mit Drohnen u.ä. Methoden.

Ein etwas lustigeres Thema sind die Missverständnisse, die es manchmal gibt in Bezug auf unsere heimischen Rehe. Walt Disneys Bambi ist ein Hirsch und nicht etwa ein Reh. Wir unterscheiden zwischen dem Rehbock, der ein Geweih trägt und der Ricke, die keins hat. Dieses Geweih stosst der Rehbock ab und gleicht dann für eine kurze Zeit dem weiblichen Tier (Ricke oder Gaiss genannt). Das Geweih wächst wieder nach und wird während dem Wachstum mit dem Bast umgeben. Der Bast sieht aus wie Moos und dient der Durchblutung während dem Wachstum. Sobald das Geweih vollständig gewachsen ist, fegt der Rehbock sein neues Geweih an Sträuchern und Bäumen, was z.T. zu Schäden führen kann (am Baum). Die Jäger unterscheiden in dieser Zeit die Geschlechter dank dem Spiegel (dem Hinterteil des Rehs). Wenn es eine Herzform hat (der Weisse Teil) ist es wahrscheinlich weiblich und wenn es nierenförmig ist, eher ein Bock. Wenn es nässt (pinkelt) sieht man den Unterschied deutlich. Mehr spannende Facts finden sie im Steckbrief weiter unten.

Steckbrief, dank www.wildtierportal-bw.de/

Bestandssituation günstig
Kopf-Rumpf-Länge 100 cm – 130 cm
Schulterhöhe 60 cm – 75 cm
Körpergewicht 20 kg – 30 kg
Paarungszeit, Blattzeit Juli – August (Keimruhe bis Dezember), nachdem der Rehbock das eigene Revier markiert und gegen andere Männchen verteidigt hat, kommt es Juli – Anfang August zur Paarung.
Tragzeit 40 Wochen
Setzzeit Mai – Juni
Anzahl Junge 1 – 2, selten 3
Lebensweise Aktivitätsmaxima in der Morgen- und Abenddämmerung. Einzeln oder in kleinen Gruppen, oft hervorgehend aus dem Familienverband; im Winter z. T. grössere Zusammenschlüsse („Sprünge“) möglich. Im Frühjahr und Sommer ist Rehwild territorial veranlagt. Rehwild versteckt sich und sucht den Schutz als Einzelgänger, deshalb kein ausgeprägtes Rudel verhalten. In deckungslosem Gelände kann es das ganze Jahr zu grösseren Zusammenschlüssen kommen (Feldrehe). Extrem anpassungsfähig, in unserer Kulturlandschaft vom Schwarzwald bis in Randbereiche der Städte.
Nahrung Kräuter, Gräser, Blätter, Knospen, Triebe und Früchte von Gehölzen (Konzentratselektierer). Das Reh gehört zu den Wiederkäuern, das leicht verdauliche Gräser und Kräuter bevorzugt.

LEBENSRAUM STADT

Rehe gelten heute als Kulturfolger, da sie sich gut an verschiedene, menschliche Lebensräume anpassen können. Seit einiger Zeit werden immer mehr Rehe im Siedlungsraum gesichtet, wenn dort genügend Grünflächen vorhanden sind. Das heisst, man findet sie vor allem in Randbereichen, wo es viele Parks oder Friedhöfe gibt oder Übergänge zum Wald.

LEBENSRAUM WALD UND FELD

Rehe sind sehr anpassungsfähig und finden sich heute in allen Lebensräumen von Baden-Württemberg. Kernelemente eines guten Rehhabitats sind hochwertige (eiweissreiche und leicht verdauliche) Nahrung und Deckungsstrukturen. Diese erlauben es dem Reh sich bei Gefahr nach einer kurzen Flucht zu verstecken. Deckungsstrukturen und Nahrung finden sich im Wald besonders in jungen und dichteren Waldbeständen, während im Offenland Heckenstrukturen oder Ackerpflanzen ausreichend Deckung bieten. Durch das im Jahresverlauf sehr variable Sozialverhalten kann ein Mangel an Deckungsstrukturen in den Wintermonaten durch die Bildung von grösseren Gruppen kompensiert werden.   

FÜR EINE GUTE NACHBARSCHAFT

Im Siedlungsbereich leben Rehe vor allem in den Randbereichen von Städten, denn hier finden Sie in den Übergängen zum Wald guten Unterschlupf um von dort zur Nahrungssuche in die Bereiche der Stadt vorzudringen. Vor allem Parkanlagen und Gärten sind beliebt. Obwohl Rehe eigentlich tagaktiv sind, haben sie sich an die Tageszeiten der Menschen angepasst und bewegen sich daher vornehmlich in der Dämmerung.

Viele Menschen freuen sich über den Anblick eines Rehs in ihrem näheren Umfeld und beobachten die Tiere gerne. An einigen Stellen verursachen Rehe jedoch auch Konflikte und Schäden, wie zum Beispiel an Ziersträuchern und Blumen in Gemüsegärten oder auf Friedhöfen, wenn sie dort regelmässig zum Fressen auftauchen. Dies ist für die betroffenen Personen natürlich ärgerlich, auch wenn sich die ökonomischen Schäden meist im Rahmen halten. Dagegen sind die Schäden durch Verkehrsunfälle mit Rehen oder durch das Verbeissen junger Bäumchen im Wald deutlich gravierender.

Auch wenn Stadt-Rehe immer wieder Schlagzeilen in Zeitungen verursachen, halten sich die Schäden in Gartenanlagen normalerweise in Grenzen. Wer allerdings keine Rehe in seinem Garten haben möchte, ist für die Abgrenzung seines Grundstücks selbst verantwortlich. Da Rehe sehr gut und hoch springen können, ist es hierbei wichtig, auf eine ausreichende Höhe des Rehzauns zu achten.

Falls Sie ein Rehkitz finden, sollten Sie dieses nicht anfassen oder als Waisenkind aufnehmen, denn es ist ganz normal, dass die Mutter ihr Junges während der Nahrungssuche zurücklässt. Sie wird bestimmt zu ihrem Jungen zurückkehren, sobald die Luft rein ist. Hat das Junge dann jedoch Menschengeruch an sich, wird sie es womöglich nicht mehr annehmen. Daher sollten Sie Kitze möglichst ungestört lassen und falls Sie einen Hund besitzen, diesen unbedingt anleinen. Denn wenn Sie ein Kitz finden, kann es gut sein, dass sich im näheren Umfeld ein weiteres versteckt, das nicht gefunden werden möchte.

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